Das Schachtwesen:

Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden die Zünfte und werden heute durch die Innungen im Bauhandwerk ersetzt. Nach wie vor existieren aber immer noch traditionelle Vereinigungen von Zimmerleuten (so genannte „Schächte”) bzw. wurden neu gegründet, um das Brauchtum weiter zu pflegen. Dazu gehören beispielsweise der Schacht „Axt und Kelle“, der „Rolandschacht“, die „Freien Vogtländer Deutschlands“ oder die „Vereinigung der rechtschaffenen Fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen Deutschlands“.

Aufklopfen:

Das „Aufklopfen“ ist eine Versammlung für Zimmerergesellen, die von den Schächten veranstaltet werden. Für Gesellen auf Wanderschaft (siehe „Die Walz”) finden sie in der Regel alle zwei Wochen statt, für einheimische Gesellen einmal im Monat. „Aufklopfen“ heißt das Treffen deshalb, weil der älteste Geselle zu Beginn mit einem mit Schmuckbändern verzierten Holzstab, dem „Reglement“, dreimal auf den Tisch klopft und es damit eröffnet.

Fassschmoren:

Natürlich wird beim fröhlichen Beisammensein auch ordentlich getrunken („geschmort“), wozu die Zimmerer auch schon mal ein Fass Bier aufmachen. Ein gewählter „Fassgeselle“ sorgt dabei für volle Bierkrüge und die Stimmung der Anwesenden. Geschmort wird meist bis in die frühen Morgenstunden, bis das leere Fass nach traditionellem Ritual aus dem Fenster geworfen wird.

Die Walz:

Die bekannteste Tradition des Zimmererhandwerks ist die „Walz“, eine Wanderung, auf die sich ein Geselle begibt, um sich nach seiner Ausbildung bei anderen Zimmerermeistern weiterzubilden und Erfahrungen zu sammeln. Je nach Zunft dauert sie mindestens zwei oder drei Jahre und einen Tag, wobei sich der „Fremde“ seiner Heimatstadt bis zu einem Abstand von 50 Kilometern nicht nähern darf. Bis zum 19. Jahrhundert war das Wandern nach der Zunftordnung sogar Gesellenpflicht und eine Voraussetzung für Gesellen, um Meister werden zu können. Seit Ende der Zünfte besteht diese Pflicht nicht mehr, weswegen weltweit nur noch einige hundert Zimmerleute auf die Walz gehen. In den letzten Jahren sind „Tippelbrüder“ aber wieder vermehrt in Europa und der ganzen Welt unterwegs und reisen von Herberge zu Herberge.

Ausrüstung auf der Walz:

Seine Reise- und Ausrüstungsgegenstände verstaut der Zimmerer auf der Walz im „Charlottenburger“, einem ca. 80×80 cm großen Tuch, das er als Bündel trägt. Mit dabei hat er auch seinen Wanderstab, den „Stenzel“, und das „Wanderbuch“, in dem er unter anderem alle Stationen seiner Wanderschaft einträgt.

Die Zimmermanns-Kluft:

Auf der Walz und zu feierlichen Anlässen wie Geburtstag oder Hochzeit tragen Zimmerleute immer noch ihre traditionelle „Kluft“. Diese Tracht besteht meist aus einem breitkrempigen Schlapphut, dem so genannten „Obermann”, einem schwarzen Samt- oder Manchesteranzug, einer Weste, mit Perlmuttknöpfen, der so genannten „Kreuzspinne”, Jackett und Hose mit weitem Schlag, einem weißen Hemd ohne Kragen und schwarzen Schuhen oder Stiefeln. Wichtigster Bestandteil der Kluft ist aber die so genannte „Ehrbarkeit“, ein krawattenähnliches Stück Stoff, das am Hemd mit einer Stecknadel, die das Handwerkswappen trägt, befestigt wird. Weitere Schmuckstücke sind der Ohrring im linken Ohr und die Zunftuhrkette mit den Wappen der Städte, in denen er gearbeitet hat.

Das Richtfest:

Von den Zimmerleuten stammt auch das weit verbreitete „Richtfest“. Es wird ausgerichtet, wenn der Rohbau eines Gebäudes und der Dachstuhl stehen. Dabei wird von den Zimmerern als Ausdruck ihrer Freude ein mit bunten Bändern geschmückter Richtkranz oder Richtbaum an den Dachstuhl gehängt und ein Richtspruch aufgesagt, der das Haus und die Bewohner schützen soll. Anschließend lädt der Bauherr zum Richtschmaus und es wird zünftig gespeist und getrunken.

Klatschen:

Ein beliebter Brauch bei Richtfesten und anderen Feiern ist das „Klatschen“, bei dem sich mindestens zwei Gesellen gegenübersitzen und sich nach dem Takt ihrer Zunftlieder in einer festgelegten Reihenfolge selbst oder gegenseitig in die Hände klatschen.

Schallern:

Auf der Walz und bei Feiern und Richtfesten werden häufig auch zünftige Gesellenlieder gesungen („geschallert“).

Schmalmachen:

„Schmalmachen“ bezeichnet auf der Walz das Vorsprechen bei Meistern, den so genannten „Krautern“, Handwerkskammern und -innungen, Gewerkschaften und Betrieben. Um je nach Anlass Arbeit zu finden oder Verpflegung und Unterkunft zu erhalten, gibt es verschiedene festgelegte Sprüche.